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12. August 2026rehber

Wie die Feenkamine entstanden sind

Vom Vulkanasche-Tuff zu den von Wind und Wasser geformten Säulen: die Entstehung der Feenkamine, die Rolle der harten Decksteine, wie Menschen den weichen Stein nutzten und wie man beim Wandern die Feenkamine zu lesen lernt.

Aus der Luft gesehen: helle, von Erosion ausgehöhlte Tuffrücken und dazwischen grüne Flecken

In Paşabağ steht ein Kind unter einem pilzförmigen Felsschlot, hebt den Kopf und stellt dieselbe Frage: Wer hat das hier aufgestellt? Die richtige Antwort lässt sich in zwei Sätzen geben, doch beide tragen eine lange Zeit in sich. Zuerst erstickte ein Vulkan die Region in Asche; dann formten Wasser, Wind und Frost das Übrige über Millionen von Jahren. Was wir Feenkamin nennen, ist der noch nicht fertige Zustand dieser Formung.

Zuerst die Vulkane

Südlich und östlich von Kapadokya erheben sich Vulkane wie der Erciyes und der Hasan Dağı. Über Millionen von Jahren bedeckten diese Berge und die umliegenden Vulkane die Region mit dicken Schichten aus Asche, Kies und heißen Strömen. Als dieses Material abkühlte und erstarrte, verwandelte es sich in einen leichten, porösen und leicht zu bearbeitenden Stein: Tuff. Zwischen den Schichten blieben manchmal auch härtere Lavaströme zurück. Das heißt, unter der Region liegt ein weicher Stein, an manchen Stellen darüber eine harte Deckschicht.

Dann Wasser, Wind und Frost

Regen- und Schneewasser gruben Bäche in dieses Plateau. Risse, die tagsüber warm wurden und nachts gefroren, weiteten sich langsam aus; der Wind trug feine Körner fort. Der weiche Stein verwitterte schnell, die Täler vertieften sich und die dazwischen verbleibenden Teile wurden zu Säulen. Steht auf der Spitze einer Säule harter Stein, wirkt dieser wie ein feiner Schirm: Der Tuff darunter war vor Regen geschützt, während die Umgebung weiter verwitterte. So entsteht ein Feenkamin mit Deckstein.

Das Leben eines Kamins

  1. Schicht: eine dicke Tuffmasse, darüber eine harte Schicht.
  2. Riss und Aushöhlung: Wasser vergrößert die Spalten, Täler öffnen sich.
  3. Säule: Der harte Deckstein schützt den Stein darunter; der Kamin wächst empor.
  4. Der Deckstein fällt: Der Schutz geht verloren, der Körper verwittert schnell und wird spitz.
  5. Kegel und Verschwinden: Am Ende bleibt ein niedriger Kegel, dann ein flacher Hang zurück.

Dieser Prozess bleibt innerhalb eines Menschenlebens meist unbemerkt. Doch ein herabgefallener Deckstein nach einem regenreichen Jahr oder ein frisch abgerutschter Hang zeigt, dass der Prozess noch andauert. In der Region gibt es viele Orte, an denen man die verschiedenen Stadien der Kamine nebeneinander sehen kann; die vielköpfigen Kamine in Paşabağ sind einer davon.

Menschen und weicher Stein

Tuff ist ein leicht zu bearbeitender Stein; zudem soll er an der frischen Luft mit der Zeit härten. Dass er im Sommer kühl und im Winter mild bleibt, erleichterte das Leben in dieser Region. Die Menschen höhlten Häuser, Ställe, Küchen und Vorratsräume in den Fels; sie legten Taubenschläge in die Hänge; in der byzantinischen Zeit wurden Kirchen und Klöster gegraben und die Wände mit Fresken geschmückt. Man ging noch tiefer: Unterirdische Städte wie Derinkuyu wurden in Stockwerken angelegt und mit Belüftungsschächten und runden Steinmauern ausgestattet. Der Stein wurde nicht nur ausgehöhlt; geschnittene Tuffblöcke wurden auch zur Mauer von Häusern. Viele der Steinhäuser, die Sie heute in den Dörfern sehen, sind eine Mischung aus Aushöhlung und Mauerwerk. 1985 wurde die Region unter dem Namen "Göreme-Nationalpark und die Felsgebiete von Kapadokya" in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Was sieht man wo?

  • Paşabağ: vielköpfige, pilzförmige Feenkamine. Einer der letzten Stopps des Tages Täler und Fresken.
  • Zelve: eine verlassene Felsensiedlung, die sich über drei Täler erstreckt; gemeißelte Räume, eine Kirche und eine Mühle.
  • Taubental: in die Hänge gehauene Taubenschläge, Weinbauterrassen; auf der Wanderung Vom Taubental nach Uçhisar sehen Sie neben den Feenkaminen auch gemeißelte Fassaden.
  • Liebestal: langhalsige, schlanke Feenkamine; die Route Mit dem Rad durch die Täler führt an diesen Feenkaminen vorbei.
  • Devrent: Feenkamine, die tierähnlichen Formen ähneln; hier ist Fantasie gefragt.
  • Uçhisar: selbst ein Fels, eine Burg voller Räume im Inneren.

Verbreitete Missverständnisse

  • "Die Feenkamine wurden von Hand aufgeschichtet." Nein; der Mensch hat nur ihr Inneres ausgehöhlt. Die Säulen hat die Natur geformt.
  • "Sie sind alle gleich alt." Nein; in einem Tal können sowohl frisch entstandene als auch kurz vor dem Einsturz stehende Feenkamine nebeneinander stehen.
  • "Der Tuff ist überall gleich hart." Nein; die Härte ändert sich von Schicht zu Schicht, deshalb ist eine Seite desselben Feenkamins glatt und die andere rau.
  • "Dieser Name ist ein wissenschaftlicher Begriff." Nein; Feenkamin ist der Name, den das Volk den Felsformen gegeben hat. Über die Entstehung des Namens kursieren verschiedene Erzählungen, aber keine davon ist eindeutig belegt.

Worauf achtet man in einem gemeißelten Raum?

Wenn Sie einen gemeißelten Raum betreten, spüren Sie zuerst die Kühle. Dann bemerken Sie die vom Rauch geschwärzte Stelle an der Decke, die Nischen in der Wand, den aus dem Stein gemeißelten Sitzplatz und manchmal eine im Boden ausgehobene Grube für Getreide oder Wein. Oft sind noch die Spuren der Hacke zu sehen. Sie öffnen ein Fenster in den Alltag der Menschen, die hier gelebt haben. In den Kirchen achten Sie darauf, wie Kuppeln, Säulen und Bögen in den Stein gemeißelt wurden; das Bauwerk entstand nicht durch Hinzufügen, sondern durch Wegnehmen.

Die beste Stunde zum Schauen

Seitenlicht zeigt die Textur und die Schichten der Feenkamine am besten. Am frühen Morgen und am späten Nachmittag steht die Sonne tief; die Schatten heben die Linien der Schichten hervor. Die Mittagssonne dagegen macht den Stein flach und lässt die Farben verblassen. Wählen Sie je nach Jahreszeit: Im Sommer ist der Morgen besser, in den kühleren Monaten der späte Nachmittag.

Wie liest man einen Feenkamin beim Erkunden?

  • Suchen Sie die Kappe: Wenn Sie oben einen dunklen, harten Stein in anderer Farbe sehen, stehen Sie vor einem Feenkamin mit Kappe.
  • Achten Sie auf die Farbbänder: Jede Linie ist eine Schicht, die in einer anderen Epoche abgelagert wurde.
  • Folgen Sie den Rissen: Wasser dringt immer durch Risse ein; die Risse bestimmen den Standort der Säulen.
  • Bemerken Sie frische Oberflächen: Eine helle, staubige Oberfläche bedeutet, dass vor Kurzem etwas abgebrochen ist.
  • Zählen Sie die gemeißelten Türen und Stufen: Wer, warum und in welche Richtung gegraben hat, das ist die Geschichte des Ortes, den Sie betrachten.
  • Berühren, aber nicht klettern: Der Stein ist weich, was einmal zerbrochen ist, kommt nicht zurück.

Wenn Sie einen Feenkamin betrachten, sehen Sie ein einzelnes Bild eines sehr langsam laufenden Films. In diesem Bild sind Wasser, Frost, Wind und die Menschen, die über Jahrhunderte hier vorbeikamen. Morgen, in einem Jahr oder in hundert Jahren wird es anders sein. Deshalb ist langsames Schauen in dieser Region wirklich eine Methode.

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